Häufig gestellte Fragen - Version für Eltern

Folgend finden Sie die häufig gestellten Fragen rund um den Lernserver. Sollten Sie weitere Fragen, Ideen oder Anregungen haben, können Sie unser > Fördernetz als Diskussionsraum nutzen.

Was zeichnet den Lernserver aus?

Es ist unser Anliegen, den Kindern ganz unabhängig vom aktuellen Schulstoff die Möglichkeit einzuräumen, sich zunächst die essentiellen Grundlagen der Schriftsprache Schritt für Schritt erobern zu können, aber nur da, wo sie tatsächlich Probleme haben. Sie sollten die Chance erhalten, sich innerhalb eines „geschützten“ Bereichs gemäß ihrem eigenen Leistungsstand und ihren Fähigkeiten weiterzuentwickeln, ohne sich gleich wieder an einem (Klassen- oder Gruppen-) Durchschnitt messen zu müssen.

 

Wir wollen helfen, die Rechtschreibung der Kinder zu verbessern, indem wir ihnen die Strukturen der deutschen Orthographie und ihre innere Logik nahebringen.

 

Der Förderansatz des Lernservers beruht auf einer eigenen Analyse von Sprache und ihren objektiven wie subjektiven Schwierigkeiten, die sie den Kindern bereitet.

 

Unsere Förderung ist klar strukturiert und aufeinander aufbauend. Sie richtet sich nach den Problemen bzw. Kompetenzen, die die Kinder im vorausgegangenen Test gezeigt haben. Hierfür stehen ca. 215 Fehlerkategorien zur Auswertung zur Verfügung. Hat ein Kind zum Beispiel keine Schwierigkeiten bei der Durchgliederung eines Wortes, wird es hierin auch nicht gefördert. Zeigt es aber Schwächen hinsichtlich der Differenzierung bestimmter Laute, werden hierzu Fördermaterialien angeboten.

 

In der Förderung wird immer zuerst der Grundlegende Bereich behandelt, der das genaue Herausfiltern einzelner Laute aus einem lauttreuen Wort, die richtige Reihenfolge der Buchstaben, die Unterscheidung klangähnlicher Laute und die Speicherung von Mehrfachgraphemen zum Inhalt hat.

 

Anschließend, wenn der Grundlegende Bereich gesichert ist, wird der Regelbereich behandelt, bei dem über die Lauttreue hinaus diejenigen Rechtschreibphänomene zum Thema werden, die nicht allein über das "Hören" verschriftet werden können, sondern bei denen eine Regel angewandt werden muss: Dopplung, Dehnung, Umlautableitung, Auslautableitung usw. Dabei werden dem Kind Hilfestellungen an die Hand gegeben, die es befähigen, auch unbekannte Wörter richtig verschriften zu können.

 

Das Prinzip der Morphemkonstanz und grammatische Bereiche (Wortarten, Wortfamilien, Beugung usw.) fließen natürlich ebenfalls mit ein.

In unserem „Handbuch zur Rechtschreibförderung“ finden Sie weitere Überlegungen dazu. Auch wird hier unser methodisch-didaktischer Ansatz (neben der Auflistung der wichtigsten Rechtschreibregeln und ihrer Ausnahmen) ausführlich dargelegt.

Was ist die MRA – Münsteraner Rechtschreibanalyse?

Die Tests der MRA (Münsteraner Rechtschreibanalyse) bestehen aus altersadäquaten Lückendiktaten, die als zusammenhängende Geschichten konstruiert sind. Ihr Kind füllt den passenden Testbogen handschriftlich nach Diktat aus. Die Lehrkraft (oder ein Elternteil) gibt anschließend die Fehlschreibungen online über eine bequeme Eingabemaske in das System des Lernservers ein. Daraufhin erfolgt die Diagnose der Rechtschreibleistung binnen weniger Sekunden.

Die Form des Lückentextes ermöglicht es, die bereits vorliegenden Kompetenzen der Kinder gezielt zu erfassen und zudem sicherzustellen, dass Fehlerhäufigkeiten und -Schwerpunkte sowohl quantitativ als auch qualitativ analysiert werden können. Zusätzliche Informationen, z.B. über Verfassung, Motivation, Schrift und Konzentration, runden das diagnostische Bild ab.

Um ein möglichst stimmiges und hinsichtlich der Rechtschreibfertigkeiten eines Kindes vollständiges Bild zu erhalten, liegen unserer Diagnose 215 verschiedene Fehlerkategorien zugrunde. Damit lassen sich hinsichtlich der Fehlerarten eindeutige Aussagen treffen. Diese weit gefächerten Einzelkategorien werden im Leistungsprofil des jeweiligen Kindes gebündelt und übersichtlich zur Verfügung gestellt.

Wir unterscheiden dabei zwei große Bereiche: den Grundlegenden Bereich und den Regelbereich.

 Der Grundlegende Bereich ist aufgegliedert in

  • Ausfertigung
  • Wahrnehmung
  • Speicherung

Der Regelbereich besteht aus

  • Kennzeichnung von Länge und Kürze (u.a. Dopplung und Dehnung)
  • Morphologische Orientierung (z.B. Umlautableitung, Auslautableitung)
  • Weitere Aspekte der Wortschreibung (wie Groß- und Kleinschreibung, ähnliche Buchstabengruppen, Schreibung an Nahtstellen)

In Form einer ‚Positiv’-Diagnose werden zunächst die bereits bestehenden Rechtschreibkompetenzen ermittelt, das heißt, es wird festgestellt, in welchen Bereichen das Kind bereits über Grundsicherheiten verfügt. In einem weiteren Schritt erfolgt eine detaillierte Analyse der Fehlschreibungen. Unter quantitativen wie qualitativen Gesichtspunkten werden Auffälligkeiten und Fehlerhäufungen in den einzelnen Haupt- und Feinkategorien diagnostiziert, wobei zurzeit insgesamt 215 Unterkategorien berücksichtigt werden. (Für weitere Informationen zu den Fehlerkategorien möchten wir Sie auf das „Handbuch zur Rechtschreibförderung“ verweisen.)

Anschließend wird ein Gesamtbild der Leistungsstärke des betreffenden Kindes erzeugt, das sich in einem individuellen Förderplan niederschlägt. Dieser orientiert sich an den jeweils notwendigen Förderschwerpunkten und bestimmt – in Abstimmung mit den betreuenden Lehrkräften/Therapeuten oder auch den Eltern – das Anforderungsniveau sowie das für das Kind sinnvolle Fördertempo.

Die Diagnose wie die computergestützte Auswertung der Ergebnisse ist ein eigenständiger Baustein. Sie ist jedoch verknüpft mit dem Angebot einer differenzierten Lernförderung. Sofern Sie sich also zusammen mit Ihrem Kind an einer Förderung durch unseren Lernserver beteiligen möchten und weitere Informationen zu eventuell notwendigen Schritten erhalten wollen, die aufgrund des konkreten Leistungsprofils als sinnvoll ermittelt wurden, wenden Sie sich bitte an uns (info(at)lernserver.de) oder schauen Sie auf unserer Homepage nach: http://www.lernserver.de/zielgruppen/eltern/foerderung-zu-hause.html oder http://www.lernserver.de/zielgruppen/eltern/leistungen/elternpakete.html.

Welche Teststufe sollte ich für mein Kind auswählen? (Elternpaket)

Die Münsteraner Rechtschreibanalyse (MRA) ist ein Paper-Pencil-Einzeltest und für alle Schulformen geeignet. Sie liegt in folgenden Varianten vor:

  • Rechtschreibtest Klasse 1/2 (empfohlener Anwendungszeitraum: letztes Drittel Klasse 1 bis Mitte Klasse 2)
  • Rechtschreibtest Klasse 2/3 (empfohlener Anwendungszeitraum: Mitte Klasse 2 bis Mitte Klasse 3)
  • Rechtschreibtest Klasse 3/4 (empfohlener Anwendungszeitraum: Mitte Klasse 3 bis Mitte Klasse 4)
  • Rechtschreibtest Klasse 4/5 (empfohlener Anwendungszeitraum: Mitte Klasse 4 bis Mitte Klasse 5)
  • Rechtschreibtest Klasse 5/6 (empfohlener Anwendungszeitraum: Mitte Klasse 5 bis Mitte Klasse 6)
  • Rechtschreibtest Klasse 7+ (empfohlener Anwendungszeitraum: ab Klasse 7. Achtung: Hierfür sind die Fördermaterialien noch in Arbeit.)

Wie lese ich das Leistungsprofil meines Kindes?

Das Leistungsprofil ist zunächst einmal grob unterteilt in einen Grundlegenden Bereich und in einen Regelbereich. Die einzelnen aufgeführten Fehlerkategorien wurden zusammengefasst und beinhalten eigentlich insgesamt 215 Feinkategorien, die wir aus Gründen der Übersichtlichkeit an dieser Stelle nicht alle aufführen. Inhaltlich bedeuten die Überschriften Folgendes:

Grundlegender Bereich:

Akustische Durchgliederung:
Hier handelt es sich um die Fähigkeit, alle Laute aus dem (gesprochenen) Artikulationsstrom herauszufiltern und in richtiger Richtung und Reihenfolge, ohne Auslassungen und Hinzufügungen oder Buchstabenverdrehungen zu Papier zu bringen. Schreibanfänger lassen häufig Vokale aus, weil diese im Mund nicht so gut spürbar sind ("Lmnade" statt "Limonade"), oder sie schreiben in ihrem Bemühen, tatsächlich alle Laute zu Papier zu bringen, die sie hören, "Khather" statt "Kater" (der Hauch nach dem Plosivlaut wird mitverschriftet) oder "Kristijan"" statt "Christian". Bei Konsonantenhäufungen geschieht es häufig, dass die Buchstaben verdreht hingeschrieben werden: "mekren" statt "merken".
Fehlende Doppelkonsonanten oder fehlendes Dehnungs-h zählen hier nicht dazu. Wenn also ein Kind "Bal" schreibt, hat es alle hörbaren Laute korrekt verschriftet. Das fehlende zweite "l" ist ein Regelfehler und zählt nicht zur akustischen Durchgliederung.

Akustische Differenzierung:
Hier geht es um Verwechslungen ähnlich klingender Laute wie m und n, f und pf, f und w, b und p, s und ß, o und u, s und sch und so weiter. Das heißt, die Fehler beziehen sich auf falsch gehörte Laute. Die meisten Fehlerquellen sind hier im Bereich Plosivlaute (d-t, g-k, b-p) angesiedelt. Auch s und ß werden häufig nicht korrekt gesprochen und demzufolge auch nicht richtig verschriftet.

Optische Differenzierung:
Im Gegensatz zur akustischen Differenzierung geht es bei der optischen um ähnlich aussehende Buchstaben, die das Kind entweder undeutlich schreibt oder sich vom Schriftbild her schwer merken kann: d-b, m-w, ei-ie und so weiter. Viele Kinder haben den Abstraktionsschritt noch nicht vollzogen, dass es bei unseren Graphemen tatsächlich darauf ankommt, ob der Bogen rechts oder links vom Strich sein muss oder ob die Öffnung nach unten oder nach oben geht. Berühmtes Beispiel: Eine Tasse ist immer als Tasse erkennbar, egal ob nun der Henkel rechts oder links ist. Bei Buchstaben ist das eben nicht der Fall, vgl. d und b.

Speicherung eines Mehrfachgraphems:
Mehrfachgrapheme haben die Eigenart, anders geschrieben als gesprochen zu werden: /kw/ = qu; /schp/ = sp, /ts/ = z usw. Hier entstehen Wortgebilde, die vom Lautlichen her zwar korrekt verschriftet werden, aber eben nicht mit den eigentlichen Graphemen übereinstimmen, also Kwelle statt Quelle, Tsaun statt Zaun, Loite statt Leute.

Kinder, die noch im Grundlegenden Bereich, der ja den Sockel des Schriftspracherwerbs darstellt, Schwierigkeiten haben, sollten erst einmal in einem geschützten Bereich in Ruhe ihre Defizite aufarbeiten können. Es ist ganz wichtig, dass an der Basis ausreichende Sicherheit besteht, bevor der Regelbereich in Angriff genommen wird. Anderenfalls wäre das Kind völlig überfordert, denn wenn es noch damit beschäftigt ist, alle Laute, die es hört, in der richtigen Reihenfolge in Zeichen umzusetzen, kann man ihm noch nicht die komplizierten Prinzipien der verschiedenen Dehnungszeichen zumuten.

Regelbereich:
Kennzeichnung von Länge und Kürze
Hier ist der Stammvokal bzw. der betonte Vokal innerhalb eines Wortes gemeint, der lang oder kurz gesprochen werden kann und dem eine entsprechende Anzahl von Konsonanten folgt. Innerhalb der Dehnung können auch noch das h, der Doppelvokal oder das ie als Rechtschreibphänomene auftreten. Fehler in diesem Bereich sind sehr häufig und zeigen, dass ein Kind noch nicht ganz verstanden hat, wann und warum ein Konsonant gedoppelt oder ein Dehnungszeichen geschrieben werden muss.

Morphologische Orientierung
Hier geht es um die Fähigkeit, die Wortbedeutung zu erschließen und/oder ein Wort in seine einzelnen Wortbausteine zu durchgliedern und dann anhand der Grundwörter die richtige Schreibung herauszufinden. Ein Beispiel: Hände wird mit „ä“ geschrieben, weil ein Wortverwandter mit „a“ existiert, nämlich Hand.

Weitere Aspekte der Wortschreibung
Groß- Kleinschreibung und Getrennt- und Zusammenschreibung sollten keiner weiteren inhaltlichen Erklärung bedürfen.

Fehleranzahl:
Es wird die Anzahl der Fehler ermittelt, die ein Kind im Test gemacht hat, wobei es sowohl um die quantitative als auch in besonderem Maße um die qualitative Bewertung geht. Die Gesamtfehlersumme, die sich aus allen Fehlerstellen im Wort zusammensetzt, und die Art und Häufigkeit der Fehler in den einzelnen Kategorien ist der Maßstab für das mögliche folgende Förderangebot.
Die Kategorien, in denen keine Fehler auftauchen, werden als nicht förderwürdig bewertet.

Die Ziffern rechts neben den einzelnen Kategorien geben die Fehlerzahl in eben diesen Kategorien an.
Die Gesamtfehlersumme jedoch bezieht sich auf die Anzahl der Fehler an einzelnen "Stellen" im Wort. Dies kann ein Buchstabe, aber auch ein Mehrfachgraphem sein. Das heißt, wenn z.B. "ch" oder "qu" nicht richtig verschriftet wurden, wird prinzipiell immer nur ein Fehler angerechnet, egal wie kreativ die Verschriftung ausgefallen ist.

Die Tortendiagramme verbildlichen die Aufteilung der Fehler und das Verhältnis zwischen Schwierigkeiten im Grundlegenden Bereich und im Regelbereich. Die Kürzel lassen sich anhand der Legende am Ende erschließen.

Informationen zur Lernserver-Normierung finden Sie unter: „Was hat es mit der Normierung auf sich?“

Sie sehen: Sie erhalten für Ihr Kind eine umfassende Information hinsichtlich seines Förderbedarfs in Sachen Rechtschreibung. Ob darüber hinaus Probleme bestehen, die im Rahmen einer intensiveren Förderung angegangen werden müssten (z.B. Förderung der Rechtschreibung in Kombination mit Logopädie, Ergotherapie oder Psychotherapie), muss im Einzelfall zusätzlich abgeklärt werden. Auch muss geprüft werden, ob eine Vorstellung etwa beim Pädaudiologen oder beim Augenarzt sinnvoll ist.

Was hat es mit der Normierung / Ampel auf sich?

Unsere Lernserver-Normierung ist das Ergebnis der Auswertung einer repräsentativen Auswahl von rund 70.000 im Klassenverbund erhobenen Förderdiagnosen, die zwischen 2005 und 2008 im Rahmen der Münsteraner Rechtschreibanalyse (MRA) an deutschen Grund- und weiterführenden Schulen durchgeführt wurden.

Auf Basis der fünf MRA-Teststufen ermöglicht dieses Modul signifikante Aussagen über den absoluten Leistungsstand eines Kindes. Die Besonderheit der Lernserver-Normierung liegt hierbei jedoch in der komplementären Aufbereitung quantitativer und qualitativer Aussagen über Leistungsstand und Förderbedarf. Die Lernserver-Kennziffern ermöglichen weitestgehend objektive statistische Aussagen.

Bei den Kennziffern handelt es sich um Prozentränge, welche die mit einer bestimmten Fehlerzahl erreichte relative Leistung visualisieren. Der Prozentrang (PR) ist ein häufig benutztes statistisches Rangmaß. Er zeigt die relative Stellung an, die man bezüglich eines Merkmals zu einer Vergleichsgruppe einnimmt, und wird beim Lernserver abschließend durch eine individuelle Förderempfehlung ergänzt, die auf zu beobachtende oder zu fördernde Schwächen hinweist, welche im ausgewiesenen Fehlerbereich zum Tragen kommen. Abgerundet werden die beiden Kennziffern und die Förderempfehlung durch symbolische Ampeln, die eine sofortige Einordnung sowohl der Rechtschreibkompetenz als auch des Förderbedarfs erlauben. (Die Teststufe 7+ ist noch nicht normiert.)

Die Aussagen zum Leistungsstand und Förderbedarf sind dabei nicht immer deckungsgleich. Trotz eines vergleichsweise hohen Leistungsstands kann bei einem Kind in einzelnen Bereichen eine Förderung sinnvoll sein. Andererseits muss ein nur durchschnittliches Abschneiden nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine Förderung unbedingt notwendig ist. Bitte differenzieren Sie deshalb zwischen den qualitativen und quantitativen Aussagen und berücksichtigen Sie die Leistungen in den Teilbereichen.


Die "Anzahl der Fehlerstellen/Gesamtfehlersumme" bezieht sich auf die Anzahl der Fehlerstellen im Wort, wobei eine Fehlerstelle sowohl ein ein- als auch ein mehrgliedriges Graphem sein kann. Bei der Berechnung der Gesamtfehlersumme geht es um die Berücksichtigung der qualitativen Unterschiede zwischen den Fehlschreibungen einzelner Worte. So legt bspw. die Fehlschreibung "Quak" (GFS 1) statt "Quark" einen weniger intensiven Förderbedarf nahe als "Kwag" (GFS 3).

Jedem Testwert (Rohwert) lässt sich ein Prozentrang zuordnen. Dieser Prozentrang besagt: Das Kind ist mit seinem Testwert besser als oder genauso gut wie der durch den Prozentrang angegebene Prozentsatz der Vergleichsgruppe.
Beispiel:

Ein Prozentrang von 20 drückt aus, dass 80% der Vergleichsgruppe eine bessere und 20% eine gleich gute oder schlechtere Leistung erzielen.

Was ist Legasthenie?

Legasthenie bedeutet: Probleme beim Erlernen von Lesen und Schreiben.

Diese Probleme werden in der Wissenschaft und im allgemeinen Sprachgebrauch allerdings noch mit vielen anderen Begriffen belegt. Auch die Erlasse der einzelnen Bundesländer haben keine einheitliche Sprachregelung. Die häufigsten Bezeichnungen sind: Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lese-Rechtschreibstörung, Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, Dyslexie, Teilleistungsstörung, Teilleistungsschwäche, besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens, Schreibleseschwäche (SLS) und das Kürzel LRS, von dem man allerdings nie genau weiß, wofür es beim jeweiligen Benutzer steht – Schwäche, Störung, Schwierigkeit?

Neben dem Begriffschaos herrscht in der Wissenschaft leider ein weiteres, nämlich bezüglich der Ursachen von Legasthenie: Man streitet sich zum Teil heftig darüber, ob sie nun eine „Krankheit“ oder ein „Hirndefekt“ ist oder ob die Probleme des Kindes mit anderen Faktoren zusammenhängen, z.B. mit unangemessenen Unterrichtsmethoden oder nicht vollzogenen Lernschritten.

Tatsache ist: „Die Legasthenie“ ist schwer zu fassen! Weder ist sie eindeutig definierbar noch konnten bis jetzt allgemein gültige, vom individuellen Lernprozess isolierbare Erklärungen für ihr Auftreten gefunden werden.

Immerhin hat sich mittlerweile fachübergreifend die Sichtweise durchgesetzt, dass jedes Kind seine ganz eigenen individuellen Schwierigkeiten mit der Schrift hat, und dass man sich diesen Schwierigkeiten durch eine eingehende Anamnese, Untersuchung und Beobachtung stellen muss.

Auch ist es nun keine Frage mehr, dass die betroffenen Kinder gefördert werden müssen, und zwar unter Berücksichtigung ihrer individuellen Stärken und Schwächen. Dies war und ist schon immer unsere Meinung und auch der Hauptgrund dafür gewesen, ein solch aufwendiges Diagnose- und Förderinstrument wie den Lernserver zu entwickeln.

Das A und O ist für uns zum einen die präzise Fehleranalyse, also die Feststellung, auf welchem Lernstand sich das Kind befindet. Daran anknüpfen muss die gezielte Arbeit am konkreten Gegenstand, nämlich an der Schrift, an ihrer Logik und ihren Klippen.

Kann der Lernserver eine LRS diagnostizieren?

Unser Anliegen ist es, dass möglichst jedes Kind die Förderung erhält, die es benötigt, unter welcher Überschrift auch immer. Dieser inhaltliche Förderbedarf kann mit Hilfe des Lernserver genau ermittelt werden. Ebenfalls präzise bestimmt werden kann mittels unserer standardisierten Diagnostik der Prozentrang des einzelnen Kindes, d.h. der Stand, auf dem sich das betreffende Kind im Vergleich zu seiner Altersgruppe und den mit uns getesteten Kindern bundesweit befindet.

Solche Kennzahlen sind eine wichtige Informationsbasis für Schulpsychologen oder Kinderärzte, die zuständig für die Diagnose von LRS-Problemen oder „Legasthenie“ und damit dem Veranlassen von weiteren Maßnahmen sind. Mehr und mehr wird inzwischen auch die Lernserver-Diagnostik (MRA – Münsteraner Rechtschreibanalyse) mit ihrem Normierungsmodul als Grundlage für Entscheidungen von schulpsychologischen Diensten, aber auch Jugendämtern anerkannt.

In aller Regel werden weitere Tests mit hinzugezogen, u.a. auch deshalb, um organische Ursachen wie Schwerhörigkeit oder Fehlsichtigkeit auszuschließen.

Für Eltern stellen die Lernserver-Kennzahlen eine wichtige Entscheidungshilfe dafür dar, ob und welche Fördermaßnahmen für ihr Kind eingerichtet werden sollten. Bei Kindern z.B., deren Testergebnisse zu einem roten Ampelsignal führen, lassen sich die Probleme im unterrichtlichen Kontext nicht auffangen. Da sich solche Lernprobleme auch nicht von selbst „auswachsen“, müssten Eltern gemeinsam mit den Lehrern schulbegleitende lerntherapeutische Maßnahmen ins Auge fassen. Ohne solche zusätzliche Unterstützung bliebe das Kind heillos überfordert, und der „Teufelskreis Lernstörungen“ wäre vorprogrammiert.

Die Frage, wie nun die Schwierigkeiten eines Kindes genau zu klassifizieren sind, ob ein Kind also „Legasthenie“, „LRS“ oder eine „vorübergehende Schwäche“ aufweist, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Zwar hat sich mittlerweile fachübergreifend die Sichtweise durchgesetzt, dass jedes Kind seine ganz eigene individuelle Problematik aufweist und seine Förderung im Vordergrund stehen sollte; dennoch gibt es vereinheitlichende Bestimmungen und Verordnungen zur Klassifikation, nach denen sich Lehrer, Schulen und Förderkräfte richten müssen. Leider haben wir es an dieser Stelle aber mit einem weiteren Dilemma zu tun, denn Legasthenie oder LRS wird in den einzelnen Bundesländern jeweils anders definiert und diagnostiziert. Für die Eltern und Förderkräfte von Kindern mit Rechtschreibschwierigkeiten heißt das: Sie müssen sich nach den aktuell geltenden Legasthenie-Erlassen ihres Bundeslandes richten. Zu erfragen sind die jeweiligen Richtlinien u.a. bei den Schul- bzw. Kultusministerien und im Internet.

Für betroffene Eltern ist der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. eine wichtige Anlaufstelle.

Hinweise zum Umgang mit dem Material

1) Unser Anliegen ist es, Ihnen eine umfassende, systematische Förderung Ihres Kindes zu ermöglichen.

Mit unserem Fördermaterial sollen Sie in die Lage versetzt werden, sämtliche Bereiche der Rechtschreibung mit Ihrem Kind angehen zu können, bei denen es Unterstützung benötigt.

Auch wenn unsere Diagnose nur eine Momentaufnahme darstellt, können wir uns doch ziemlich genau ein umfassendes Bild von den Stärken und Schwächen des Kindes machen. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir bei der Analyse der Fehl-Schreibungen dem Computer nicht das letzte Wort überlassen. Jeder einzelne Fehler wird als Denkleistung ernstgenommen und von unseren Sprach- und Förder-Experten als Auskunftsmittel dafür genutzt, die Förderung so gut wie nur irgend möglich auf das jeweilige Kind abzustimmen.

Gleichzeitig wird unser Diagnose- und Fördersystem permanent fortentwickelt und ‚wächst’ mit jeder neuen, kreativen Fehlschreibung der Kinder und ihrer sprachwissenschaftlichen wie förderdiagnostischen Analyse.

Die im Leistungsprofil aufgeführten Bereiche bilden die Komplexität unseres flexiblen Diagnose- und Fördersystems in reduzierter Form ab. Die eigentliche Förderung ergibt sich aus dem Zusammenspiel zahlreicher Variablen und „Schrauben“ (zurzeit sind es 215 Fehlerkategorien), mit denen der Förderbedarf für jedes Kind neu ermittelt wird.

Überdies arbeiten wir nicht symptom-orientiert. Um in einzelnen Bereichen wirklich Sicherheit schaffen zu können, müssen häufig erst einmal die erforderlichen Voraussetzungen hierfür hergestellt werden. Dies erklärt manche Förderschleifen, die oft weit über das aus dem Schulunterricht Bekannte hinausgehen.

2) Voraussetzung für die Förderung: Sicherstellen der Motivation

Gerade Kinder, die bereits zahlreiche schulische Misserfolge verarbeiten mussten, benötigen ein behutsames Heranführen an die Rechtschreibung. Dabei ist es keineswegs selbstverständlich, dass sich die Kinder mit großer Begeisterung womöglich nun auch noch zuhause oder ergänzend zum eigentlichen Unterricht mit der Rechtschreibung befassen. Um so wichtiger ist es, ihnen klarzumachen, dass sie mit Ihrer und unserer Hilfe einen wichtigen Bereich „erobern“ können, der womöglich bislang mit Angst besetzt war.

Machen Sie Ihrem Kind auch deutlich, wie sich über die Beherrschung der Schrift „die Welt erschließen“ lässt. Animieren Sie es dazu, viel zu lesen und zu schreiben.

Auch wenn immer mehr Eltern den Lernserver nutzen: Bevor Sie dabei Gefahr laufen, das Verhältnis zu Ihrem Kind unnötig zu belasten, überlegen Sie, ob Sie nicht besser eine Fachkraft hinzuziehen. Dies gilt vor allem dann, wenn sich Ihr Kind bereits im Teufelskreis Lernstörung verheddert haben sollte (und womöglich Verhaltensstörungen aufweist).

Welch große Rolle der Bezug auf Fehler und die Anerkennung der darin steckenden Denkleistungen spielt, ist in unseren Begleitmaterialien („Handbuch zur Rechtschreibförderung“) nachzulesen. Fehler sollten also nicht stigmatisiert werden! Vielmehr sollen Kinder Fehler machen dürfen – um aus ihnen mit Ihrer und unserer Unterstützung lernen zu können.

Oft sorgt schon der kleine Hinweis für Entlastung, dass es keinen Menschen auf der Welt gibt, der seinen Weg zur Schrift ohne jeden Fehler gemacht hat.

3) Noten bedeuten viel, sind aber nicht alles!

Sicher sind Noten nicht der Weisheit letzter Schluss. Dies gilt vor allem dann, wenn sie die inhaltliche Seite zu überlagern drohen. Leider bleibt vor allem Lehrern oft nicht die Zeit, die in den Fehlern der Kinder steckenden positiven Momente zu sehen. Aber genau dafür haben wir ja den Lernserver entwickelt.

Seien Sie Ihrem Kind dabei behilflich, sich zumindest eine gewisse Zeit von der Orientierung an einer Benotung frei zu machen. Nicht der Versuch von Fehlervermeidung sollte ihm als Haltung nahegelegt werden, sondern das gerade Gegenteil: Es sollte sich auf nichts anderes als den Inhalt einlassen, um so Schritt für Schritt zu einer eigenen Sicherheit kommen zu können – ganz so, als ob es die Sache mit der Rechtschreibung selbst erfunden hätte. Versuchen Sie also, Ihr Kind darin zu bestärken, sich auf die eigene Leistung zu besinnen und daraus sein Selbstbewusstsein zu schöpfen. Sehr rasch werden Sie beide feststellen, dass sich die Mühe lohnt. Und wenn dann nicht nur die Sicherheit in der Orthographie wächst, sondern sich deshalb auch immer bessere Noten einstellen, hat jeder gewonnen.

4) Schenken Sie Ihrem Kind viel Geduld!

Bitte bedenken Sie, dass ein Kind, das z.B. noch größere Schwierigkeiten im Grundlegenden Bereich aufweist, nicht in 5 bis 6 Wochen plötzlich fehlerfrei schreiben kann. Bringen Sie also viel Geduld mit, erwarten Sie keine Wunder und freuen sich zusammen mit Ihrem Kind auch über die ersten kleinen Erfolge. Gönnen Sie sich und dem Kind die Zeit, die es braucht, um sich mit Ihrer Hilfe Schritt für Schritt die Eigentümlichkeiten der Schrift zu erschließen. Umso sicherer ist der dauerhafte Erfolg. Nicht selten kann es ein, zwei Jahre dauern, bis der Knoten richtig platzt.

Natürlich ist es mit Geduld allein nicht getan; man muss schon auch etwas für den „Erfolg“ tun. Der Hinweis: „Die Rechtschreibschwierigkeiten wachsen sich schon mit der Zeit aus!“ ist deshalb nicht angebracht.

Auch die Hoffnung, dass es irgendwo im Gehirn einen „Schreib-Knopf“ oder „Lese-Hebel“ gibt, den man nur finden und drücken muss, ist verständlich, wird aber mit Sicherheit enttäuscht werden.

Das Gleiche gilt für die vielen alternativen Ansätze wie z.B. das Training der auditiven Wahrnehmung, der Händigkeit, der Psychomotorik oder die Davis-Methode, die Cranio-Sacral-Therapie oder Hilfeversuche mit Prismenbrillen, Farbfolien oder Bachblüten. Einige dieser Angebote können zwar bei dem einen oder anderen Kind unterstützend wirken, sofern es in den angenommen Bereichen tatsächlich Defizite aufweist, aber sie ersetzen keinesfalls – und das ist empirisch belegt – das Arbeiten am Gegenstand, nämlich an der Schrift selbst.

5) Wichtig: Herstellen der erforderlichen Grundlagen

Es gilt, die Kinder „dort abzuholen, wo sie sich befinden“ und ihnen einen möglichst sanften Einstieg in ein oft genug mit Angst und Misserfolgserlebnissen besetztes Gebiet zu ermöglichen. Auch müssen oft erst überhaupt die Grundlagen für die nächsten Förderschritte geschaffen werden. Deshalb könnten manche Übungen auf den ersten Blick als zu leicht empfunden werden. Eltern und Kind sollten diese ‚leichten’ Aufgaben dennoch ernst nehmen; schließlich sind sie die Voraussetzung dafür, sich mit schwierigeren Dingen vertraut zu machen.

Bei allen Übungen, die Sie von uns erhalten, können Sie davon ausgehen, dass sie in Verbindung zu jenen Problemen Ihres Kindes stehen, die bei der Diagnose ermittelt wurden.

Alle Eltern oder Nachhilfelehrer, für die eine derart intensive, individuelle Förderung Neuland bedeutet, werden jedoch bald feststellen, dass sie ein immer besseres Gespür für die Förderung entwickeln. Sobald Sie also merken, dass sich Ihr Kind mit dem Verständnis einzelner Abschnitte leichter tun, können Sie natürlich selbst das Tempo der Förderung bestimmen und die Intensität, mit der Sie sich einzelnen Themen widmen.

6) Zur Reihenfolge der Förderung

Bei der Zusammenstellung der Fördermaterialien haben wir berücksichtigt, was Ihr Kind bereits kann und wo genau seine Schwierigkeiten liegen. Berücksichtigt wurde auch, welche Grundlagen noch fehlen und worin erst Sicherheit geschaffen werden muss, damit die Problembereiche erfolgversprechend in Angriff genommen werden können. Daraus ergibt sich eine stimmige Abfolge, an der Sie sich möglichst orientieren sollten. Sie erhalten also keine Einheitsförderung, sondern finden die Arbeitsblätter der Reihe nach für Ihr Kind geordnet vor.

7) Fühlen Sie sich bitte nicht von der Fülle an Arbeitsblättern erschlagen!

Bitte bedenken Sie, dass Sie von uns die Materialien für einen längeren Förderzeitraum erhalten.

Außerdem sind die Blätter normalerweise nur einseitig bedruckt und es schließen sich an fast jede Übung Lösungsblätter mit Hinweisen für die Förderbegleitperson an.

In der Regel wird pro Blatt auch nur eine Aufgabe angeboten, die Schrift ist groß und die Anordnung der Übungen übersichtlich gestaltet. Dies alles kommt Kindern mit Leseschwierigkeiten entgegen, denn diese fühlen sich erfahrungsgemäß mit engbeschriebenen Blattseiten nicht wohl.

Lassen Sie sich also bitte nicht durch den Papierstapel entmutigen! Dies gilt in besonderer Weise natürlich auch für Ihr Kind. Es sieht mehr aus, als es letztlich ist. Sinnvoll wäre es deshalb, wenn Sie Ihrem Kind nicht alle Dokumente auf einmal präsentieren würden, sondern sukzessive eine inhaltliche Sequenz nach der anderen gemeinsam erarbeiten. Die erledigten Übungen könnten dann in einem gesonderten Ordner oder in einer Mappe abgelegt werden.

8) Nicht jedes Arbeitsblatt ist gleich wichtig.

Damit Sie bei der Förderung immer ‚auf der sicheren Seite’ sind, haben wir uns dafür entschieden, Ihnen im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig Material zukommen zu lassen. Etwas zu überspringen fällt immer leichter als nachträglich passende Unterlagen suchen oder gar erstellen zu müssen.

Selbst dann, wenn Ihr Kind in einzelnen Bereichen nur kleinere Schwierigkeiten erkennen lässt, erhält es für solche Gebiete Fördermaterial (zum Teil sog. „Kompaktüberblicke“).

Ein Teil der Materialien ist also optional. Sie können, aber müssen sie nicht immer und gleich intensiv bearbeiten. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass auch in solchen Grenzfällen ein Förderstreifzug niemandem schadet, im Gegenteil.

Ein bisschen müssen wir aber auch an Ihr Gespür für Ihr Kind appellieren: Nur Sie können feststellen, welches Fördertempo Ihrem Kind guttut. Nur Sie können prüfen, ob es die zentralen Punkte eines Themas verstanden hat und der Rest weniger intensiv behandelt werden muss oder in Einzelfällen gar übersprungen werden kann. Und nur Sie bekommen mit, welche Übungen Ihr Kind selbstständig bearbeiten kann und bei welchen es Ihre Hilfe braucht.

9) Versuchen Sie, eine sinnvolle Balance zwischen Fordern und Fördern zu finden!

Es hängt von der Motivation, der Konzentrationsfähigkeit und der Tagesform Ihres Kindes ab, wie viele Übungen Sie ihm zumuten können. Dies können nicht wir aus der Ferne, sondern nur Sie entscheiden.

Für manche Kinder ist es sinnvoll, jeden Tag oder jeden zweiten Tag eine halbe Stunde zu arbeiten.

Andere wiederum lernen lieber nur zweimal in der Woche und dafür eine oder sogar zwei Stunden. Wichtig ist aber auf alle Fälle die Regelmäßigkeit! Einmal ausgemachte „Lerntermine“ sollten von beiden Seiten eingehalten werden. Wenn ein Kindergeburtstag oder Arztbesuch dazwischenkommt, muss die Stunde an einem anderen Tag nachgeholt werden. Unregelmäßige Förderstunden mit großen zeitlichen Abständen dazwischen bringen leider wenig bis nichts.

Bitte lassen Sie auch die Übungen nicht stur nacheinander abarbeiten, sondern versuchen Sie diese dafür zu nutzen, dass der betreffende größere oder kleinere Lernschritt auch wirklich verstanden wird. Auch wenn es unser gemeinsames Ziel ist, Kindern möglichst rasch dazu zu verhelfen, ‚automatisch’ richtig zu schreiben, spielt das „Weiß-warum“ dabei eine wichtige Rolle. Es macht deshalb einen großen Unterschied, ob ein Arbeitsblatt ‚nur’ fehlerfrei bearbeitet werden kann oder ob das Kind dafür auch noch eine Begründung zu liefern imstande ist.

10) Förderung von Jugendlichen und Schülern mit Migrationshintergrund

Unsere Diagnose-Instrumente und Fördermaterialien sind inhaltlich wie hinsichtlich der Illustration auf die Schüler der Klassen 1 bis 6 zugeschnitten. Da aber die Rechtschreibung mit der sechsten Klasse abgeschlossen sein sollte – dies ist natürlich ein Idealismus! –, sind damit die wichtigsten Orthographie-Bereiche von uns abgedeckt. Deshalb können ältere Schüler wie aber auch Erwachsene („funktionale Analphabeten“) über den Lernserver jene Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um Schritt für Schritt immer sicherer zu werden. Unsere Teststufe 5/6 samt dem davon abgeleiteten Fördermaterial ist durchaus auch für ältere Schüler geeignet.

Voraussetzung freilich ist, dass Jugendliche oder junge Erwachsene über ihren Schatten springen und manchmal darüber hinwegsehen, dass das Material nicht ganz so „cool“ ist, wie sie es sich vielleicht wünschen würden. (Wir arbeiten jedoch in enger Kooperation mit Sekundarschulen, Berufskollegs und

Erwachsenenpädagogen daran, eine „Jugendlichen-Version“ in Kürze vorlegen zu können.)

Kinder mit Migrationshintergrund können in gleicher Weise mit dem Lernserver gefördert werden wie andere Kinder auch. Allerdings sollte darauf geachtet werden, ob diese Kinder nicht zusätzliche Unterstützung bräuchten, damit das erforderliche Sprachgefühl aufgebaut werden kann, das schließlich in der Schriftsprache abgebildet wird. (Lektüretipp: Unser Handbuch zur Sprecherziehung „Gutes Sprechen lernen“.) 

11) Zur Arbeit mit den Arbeitsblättern und den Lösungen

Die Anweisungen auf den Arbeitsblättern für das Kind sind absichtlich kurz gehalten, damit nicht unnötig viel Text die Motivation beeinträchtigt. Dafür beinhalten viele Lösungsblätter nicht nur die korrekten Antworten (die unter anderem eine Selbstkontrolle des Kindes bzw. Partnerarbeit ermöglichen), sondern auch erläuternde Hinweise und Erklärungen, die für Eltern und Kind gleichermaßen hilfreich sein können und die zum Teil gemeinsam erarbeitet, auf jeden Fall aber mit dem Kind besprochen werden sollten.

Die Arbeitsblätter sind eigentlich dafür gedacht, sie, soweit es eben geht und sinnvoll ist, GEMEINSAM mit dem Kind durchzuarbeiten. Das ist wesentlich effektiver, als das Kind in Stillarbeit Blatt für Blatt abarbeiten zu lassen und hinterher lediglich die Fehler zu verbessern.

Wichtig wäre, dass Sie Ihrem Kind gezielt Fragen stellen und auf seine Schwierigkeiten genau eingehen (manchmal reicht es aber schon zu fragen, warum es so und nicht anders geschrieben hat).

Auch sollten die ersten Blätter zu einem Thema gemeinsam erarbeitet werden.

Bei den vertiefenden Blättern allerdings, die dem Üben und Festigen dienen, ist es nicht verkehrt, sie von den Kindern selbstständig und allein bearbeiten zu lassen.

Die Förderdokumente, die Sie zum Abschluss eines Themenbereichs erhalten (z.B. Lückentexte), können als informelle Tests dafür genutzt werden, ob der gerade behandelte Gegenstand auch wirklich ‚sitzt’.

Hilfestellungen dürfen gegeben werden, z.B. die Erklärung eines für das Kind noch unbekannten Wortes.

12) „Lehrerblätter“

Es gibt eine Reihe von Arbeitsblättern mit der zusätzlichen Überschrift „Lehrerblatt“. Diese sind für die Hand des Betreuers gedacht, um ihn auf den jeweiligen Lernschritt einzustimmen. Sie enthalten zahlreiche Anregungen, wie der betreffende Abschnitt zusammen mit dem Kind erarbeitet werden könnte (Hörübungen, Spiele, Erklärungen etc.).

13) Machen Sie sich selbst kundig!

Damit Sie Ihrem Kind wirklich helfen können, legen wir Ihnen ans Herz, sich selbst einen Wissensvorsprung zu erarbeiten, der es Ihnen ermöglicht, das Kind auf die einzelnen Rechtschreibphänomene aufmerksam zu machen und ihm sachgemäße Antworten zu geben. Greifen Sie deshalb bitte unbedingt immer wieder auf unsere Begleitmaterialien zurück, um Ihrem Kind wirklich helfen zu können. Dringend möchten wir Ihnen empfehlen, das Kapitel II) unseres Handbuchs zur Rechtschreibförderung zu studieren, bevor Sie sich in die Arbeit stürzen. Sie sollten sich also vorab mit der Methodik vertraut machen und die wichtigsten Rechtschreibprinzipien beherrschen, um das Kind gelassen und sachlich richtig unterstützen sowie Fragen korrekt beantworten zu können.

14) Nutzen Sie das „Handbuch zur Rechtschreibförderung – Grundlagen und Förderpraxis“!

Nahelegen möchten wir Ihnen auch, aufbauend auf dieser Einstiegsqualifizierung diejenigen Passagen im „Handbuch zur Rechtschreibförderung“ zur Kenntnis zu nehmen, die sich mit den einzelnen Übungsthemen befassen. Damit stellen Sie sicher, dass Sie wissen, worum es in den einzelnen Lernabschnitten überhaupt geht. (Die Lernabschnitte sind erkennbar an den Überschriften der Arbeitsblätter.)

Vor allem dann, wenn die orthographischen Besonderheiten in Angriff genommen werden, sollten Sie mit dem Kind die Regeln vor einer Bearbeitung der Übungsblätter besprechen. In den Publikationen „Meine kleine Rechtschreibkunde“ (für die Stufe 3/4 bzw. 5/6) finden Sie diese in komprimierter Form.

Bitte achten Sie auch auf die zahlreichen in den „Lösungsblättern“ angebrachten Förderhinweise.

Und zum guten Schluss:

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind sehr herzlich, dass es sich Schritt für Schritt mit den Eigentümlichkeiten der Rechtschreibung vertraut macht, wieder Freude am Lesen und Schreiben findet und sich überhaupt so entfalten kann, wie es seinen Möglichkeiten und Interessen entspricht.

An einem Austausch mit Ihnen und den Kindern ist uns sehr gelegen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung, Kritik und Verbesserungsvorschläge.