Pisa und die unkaputtbaren Vergleichstudien

Pisa und die unkaputtbaren Vergleichsstudien: endlich mal ein Grund zur Freude für unser Bildungswesen? Hier ein netter Kommentar von Arno Stoffels, Nürnberger Nachrichten. Er macht sehr zurecht geltend, dass es letztlich schon noch auf die Inhalte ankommt. Es gibt also nach wie vor viel zu tun...

Von wegen doof

Hinweis

Mit freundlicher Genehmigung der Nürnberger Nachrichten:
Do 23.11.2017 - MEINUNG UND HINTERGRUND - Seite 2 - GLOSSE {GANZ NEBENBEI } - ARNO STOFFELS

Früher war der Spruch „Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nix“ eine beliebte Verzierung für Schultoiletten. Doch dann kam im Jahr 2001 die erste Pisa-Studie und es war Schluss mit lustig: Die Kultusminister waren entsetzt, wie doof deutsche Schüler im internationalen Vergleich doch sind und schwärmten panisch aus, um sich bei den Asiaten oder Skandinaviern etwas für die eigenen Lehrpläne abzugucken.

Das ist vorbei und zwar endgültig. Denn eine neue Auswertung hat jetzt Revolutionäres ans Licht gebracht. Demnach sind die 15-Jährigen hierzulande bei der Teamarbeit deutlich besser als ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Platz 12 von 52, Respekt.

Damit ist endlich der Beweis erbracht, dass die Forderung von Eltern- und Lehrerverbänden nach verringerten Klassenstärken, individueller Förderung und die Klagen über marode Schulgebäude völliger Quatsch sind. So etwas brauchen vielleicht die Weicheier in einer 9. Klasse irgendwo in Finnland, um voranzukommen. Aber die überlegenen Gehirne deutscher Teenager funktionieren auch in stickigen Klassenräumen und ohne jegliche Sauerstoffzufuhr — sie müssen nur zusammengekoppelt werden!

Vor allem zeigt sich an der aktuellen Erhebung aber, wie fit die nächste Generation für den Arbeitsmarkt ist. Hier ist Teamfähigkeit schließlich das neue Zauberwort. Mathe, Deutsch, Fremdsprachen? Egal. Hauptsache beim Meeting sind sich alle bis zur Mittagspause einig, das der Chef recht hat und im Großraumbüro schert keiner mit komischen Ideen aus, die den Schwarm dumm dastehen lassen.

Und spätestens bei der nächsten Entlassungswelle gilt ja ohnehin, dass gemeinsam geteiltes Leid halbes Leid ist. Noch dazu, wenn das Schreiben mit der Aufforderung, sofort den Platz zu räumen, nicht vom Chef persönlich, sondern vom neu installierten Personalservice-Team kommt. Mit freundlichen Grüßen. ARNO STOFFELS