Zum internationalen Tag der Handschrift: Impulse und Veranstaltungshinweis

Ganz offensichtlich beginnen sich manche Dinge gerade auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten zum Positiven zu verändern: Es gibt den Trend hin zu einer echten Rückbesinnung auf die Inhalte von Allgemeiner Bildung. Immer mehr Lehr- und Förderkräfte, Eltern, in zunehmenden Maß auch Verantwortliche aus Wirtschaft und Politik verspüren, dass das pädagogische Pendel wieder in eine Richtung gehen muss, bei der das Konzentrieren auf die Kern-Inhalte nicht mehr links liegengelassen oder an die Kinder, ihre Lust, Laune, Lernbereitschaft überantwortet werden kann.

Die technische Entwicklung, insbesondere befeuert durch KI- und Robotik-Fortschritte, fungiert als eine Art Katalysator: alles und jedes wird auf den Prüfstand gestellt. Dies dann vollkommen zurecht, wenn man zu jenen zählt, die verspüren, dass es fatal wäre, unsere Kinder mit buchstäblich leeren Händen dieser neuen Zukunft zu überlassen. Wenn also Bildung künftig weniger mit methodischem Allerlei auf der Meta-Ebene verwechselt werden sollte, sondern man verstärkt zu inhaltlicher Substanz, aber auch Verbindlichkeit zurückfinden möchte.

Gleichzeitig aber geht bei manchen Fortschrittsfans doch etwas der Gaul durch, wenn die Technik leichtfertig zum Maß der Dinge erklärt wird und in Bausch und Bogen alle kulturellen Errungenschaften zu alten Zöpfen erklärt werden, obgleich diese, das wird gern übersehen, den technischen Fortschritt überhaupt erst in die Welt gesetzt haben.

Gerade hinsichtlich der Handschrift haben wir es mit einer noch immer anhaltenden Tendenz zu tun, sie samt der Schreibschrift prinzipiell zu etwas zu erklären, was im digitalen Zeitalter doch eine nurmehr untergeordnete Rolle spiele.

Die Schreibschrift würde, so z.B. der Landesschülerrat Niedersachsen im Jahr 2025 in einer Pressemitteilung, „künstlich als Kulturgut“ verklärt und sei für das Entwickeln einer persönlichen, funktionalen Handschrift eher störend.

Die Intention dieser Einschätzung mag ja löblich sein: die Kinder sollen nicht mit etwas gequält werden, auf das man nur deshalb nicht verzichtet, weil man es schon immer so gemacht habe. Gute Vorsätze aber reichen nicht. Das hier skizzierte Verhältnis der ‚eigenen Handschrift‘ zur vermeintlich antiquierten Schreibschrift ist nämlich ein Trugschluss: Das (angeleitete!) verbundene Schreiben ist ein notwendiger (Zwischen-)Schritt bei der Entwicklung der eigenen Schrift.

Dies lässt sich auch nicht durch den Hinweis darauf entkräften, dass die Kinder in Klasse 5 oftmals wieder auf die Druckschrift umsteigen oder sich in einer teilverbundenen Schrift einfinden, weil sie dabei nämlich von der mit der Schreibschrift eingeübten Form- und Größenkonstanz profitieren.

Das Ernstnehmen der Schreibschrift ist und bleibt gerade im digitalen Zeitalter, in der die zu verarbeitenden Textmengen zunehmen und es umso mehr auf das eigene Denken und Urteilen ankommt, zentraler Bestandteil einer modernen, zeitgemäßen Bildung. Leider (oder zum Glück?) hilft uns dabei weder ein mobiles Endgerät noch die KI: zum Schreibenlernen brauchen die Kinder Papier, Stift, Anleitung und Zeit für Automatisierung. Es ist folglich auch damit nicht getan, den Kindern einen Schreibschriftlehrgang oder „Schreibwerkstätten“ anzubieten, in denen sie autodidaktisch eigene Buchstabenverbindungen erfinden sollen. Wie bei jeder Kulturtechnik kommt es dabei auf Sie als Lehrer, Förderkräfte und Eltern an, um für etwas Orientierung und Struktur zu sorgen.

Wir möchten Sie anlässlich des internationalen Tags der Handschrift deshalb dazu ermutigen, an der Schreibschrift nicht nur festzuhalten, sondern sie als das zu sehen, was sie ist: ein elementarer Baustein im Bildungsprozess der Ihnen anvertrauten Kinder; sie ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer entspannten, funktionalen und auch im übertragenen Sinne ‚eigenen‘ Handschrift. Erst dann ist sie zugleich Ausdruck von Individualität und einer gemeinsam geteilten Errungenschaft, die weiterzutragen sich lohnt.

Worauf es bei der Vermittlung einer verbundenen Schrift ankommt, zeigt Maria-Anna Schulze Brüning eindrücklich in ihren Fortbildungen. Deshalb gibt es nun noch einmal die Gelegenheit zur Teilnahme: Gemeinsam mit dem VBE Niedersachsen bieten wir am Donnerstag, dem 26. Februar eine Fortbildung in der VBE-Länderakademie an. Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie weiter unten.

Wer sich ein bisschen darauf einstimmen möchte, dem sei dieses Interview mit der Referentin im Deutschlandfunk empfohlen: https://www.deutschlandfunk.de/wert-der-handschrift-in-digitalen-zeiten-maria-anna-schulze-bruening-autorin-100.html

Vielleicht machen Sie sich beim Hören ja ein paar Notizen – mit Ihrer eigenen, unverkennbaren Handschrift.

 

Mit herzlichen Grüßen
   Ihr Prof. Dr. Friedrich Schönweiss

 

Zur Handschrift-Fortbildung in der VBE-Länderakademie

 

Weitere Meldungen

[Nach oben]